Intermediale Lektionen - Can a Videogame make you cry?

Bild von Rolf Nohr
27.01.2011 - 19:00
27.01.2011 - 22:00
Etc/GMT+1

Intermediale Lektionen:  Film, Theater, Spiele
19/11/2010 –– 17/3/2011

Der tönende Farbfilm verwirklichte im 20. Jahrhundert den neuzeitlichen Traum vom Gesamtkunstwerk, indem er nahezu alle bekannten Kunstformen kombinierte: Theater und Literatur lieferten dramatische und epische Vorlagen; die Bildenden Künste sorgten für Kulissen, Kostüme, Masken und prägten zudem die Bildkomposition; die Schauspielkunst konstituierte die filmische Handlung; Musik deutete das Geschehen emotional aus; von der Fotografie stammte schließlich die perspektivisch ausgerichtete und raumzeitlich selektierende Aufnahmetechnik. All diese Einzelkünste verschmolzen im analogen Spielfilm und schufen vereint etwas gänzliches Neues: die Filmkunst.
Gegenwärtig erfährt die enge Wechselwirkung zwischen dem Film und den anderen Künsten noch eine nachhaltigeSteigerung. Denn die Trennung der Künste hatte ihren Grund wesentlich in der Unterschiedlichkeit ihrer analogen Materialien, Mittel und Speichermedien. Die Digitalisierung hebt diese Trennung zunehmend auf. Die radikale Verbilligung und Vereinfachung filmischer Produktionsmittel erlaubt es zudem immer mehr Menschen, sich audiovisuell auszudrücken, Millionen von Amateuren, aber eben auch Künstlern aller Sparten. Der digitale Film steht so im Zentrum der Vielzahl neuer intermedialer Praktiken, von interaktiver Multimediakunst über pervasive Spiele bis zu den Varianten von Remix und Mashup. Die Vortrags- und Filmreihe INTERMEDIALE LEKTIONEN fragt nach Geschichte und Gegenwart des kreativen Austauschs zwischen den Künsten. Im Vordergrund steht dabei zunächst der wechselseitige Einfluss zwischen Film, Theater und digitalen Spielen. Gemeinsam mit dem Schauspiel Köln bitten wir die Theater- und Filmemacher Wim Vandekeybus und Katie Mitchell zum Gespräch über die vielfältigen Verflechtungen von Theater und Film in ihrer Arbeit. Medienwissenschaftler und Game-Designer sind in Zusammenarbeit mit dem Cologne Game Lab eingeladen, einen Dialog von praktischen und theoretischen  Perspektiven zu eröffnen und die medienästhetische Entwicklung von den Anfängen des Gesamtkunstwerks Film bis zu seiner Digitalisierung zu beleuchten.

Rolf Nohr:  „Can a Videogame Make You Cry? Überlegungen zur Teilhabe in Kino  und Videospiel“

Auf unterschiedliche Weise stiften Kino wie Spiel Erfahrungen, die uns natürlich vorkommen. Der Vertrag, den wir mit dem Kino eingehen, schließt ein, dass wir daran  teilhaben, ein Unmittelbares und uns emotional, psychisch und physisch berührendes Erlebnis zu gestalten – wenn auch um den Preis, ’naiv’ zu werden und bestimmte kritische Wahrnehmungen und Bewusstseinsformen für die Dauer des Kinoerlebnisses aufzugeben. Vergleichbares gilt für das Spiel. Auch in das Spiel tauchen wir ein, die Erfahrung des Spielens ist ebenfalls immersiv. Auf eineganz ähnliche Weise geben wir uns also im Spiel willentlich in eine Situation, in der wir uns verlieren. Aber wie  unterscheiden  sich nun Kino und Spiel? Wann haben wir in einem Computerspiel das letzte mal schallend gelacht? Oder gar geweint?

Intermediale Lektionen
ist ein Programm des Filmforum NRW e.V.
In Zusammenarbeit mit dem Schauspiel Köln
und dem Cologne Game Lab
Mit freundlicher Unterstützung durch das Kulturamt
der Stadt Köln und die MedienStiftung Kultur
Eintrittspreis:
5,00 EUR (Vorträge und Filmprogramm)