Mediennarrationen und Medienspiele

Bild von Jürgen Sorg

Die Computertechnologie stellt die Medien auf ein neues technologisches Fundament. Das führt nicht nur zu einem radikalen Wandel traditionell etablierter Medienberufe, zu neuen Geschäftsmodellen und Rechtsproblemen. Der digitale Medienumbruch verändert die Schemata der Wahrnehmung und der Kommunikation, und es ist kaum absehbar, welche gesellschaftlichen Implikationen diese Veränderungen haben.

Unter digitalen Bedingungen gewinnen Bilder, Klänge und Texte eine ungekannte Plastizität. Die Vorstellung davon, was ein Bild, ein Klang oder ein Text sein kann und leisten soll, wird mit jeder neuen Gerätegeneration überholt. Computerspiele lassen den Spieler heute in fiktionale Bildwelten eintauchen, die vorher nur durch den erzählenden Spielfilm vermittelt werden konnten. Massenattraktive Spielfilme können heute paradoxe Handlungssequenzen plausibilisieren, die vorher allenfalls unter Kunstvorbehalt oder im Rahmen traditioneller Regelspiele medial verkehrsfähig waren.

Das Projekt Mediennarrationen und Medienspiele will die ästhetischen Implikationen des digitalen Medienumbruchs unter dem Gesichtspunkt der basalen und transmedialen Differenz von Spiel und Erzählung formentypologisch auf den Begriff bringen. Eine vergleichende medienmorphologische Analyse der einflussreichsten und erfolgreichsten Computerspiele und Spielfilme seit 1990 soll insbesondere die systematischen Grenzen der Hybridisierung und Amalgamierung von Spiel und Erzählung im Zeitalter digitaler Medien aufdecken und damit auch einen Beitrag zur allgemeinen Spiel- und Erzähltheorie leisten.

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