SHIFT - RESTORE - ESCAPE: Die Auhebung des Retrocomputings in der Medienarchäologie

Bild von Stefan Höltgen
09.04.2013 - 18:00
09.04.2013 - 20:00
Etc/GMT+1

Im Sommersemester findet an der Medienwissenschaft der Berliner Humboldt-Universität wöchentlich dienstags eine öffentliche Vortragsreihe zum Thema Retrocomputing aus Perspektive der Medienarchäologie statt. Leitung, Organisation und Moderation hat Dr. Stefan Höltgen, der am Lehrstuhl für Medientheorien ein Forschungsprojekt "Zur Archäologie des frühen Microcomputers und seiner Programmiersprachen" durchführt.

Informationen über die einzelnen Vorträge finden sich auf dieser Webseite: http://u.hu-berlin.de/sre

Die Auftaktveranstaltung beinhaltet einen Vortrag von Prof. Dr. Wolfgang Ernst und Dr. Stefan Höltgen:

SHIFT - RESTORE - ESC: Die Aufhebung des Retrocomputings in der Medienarchäologie

 Das 2011 am Lehrstuhl für Medientheorien gestartete Forschungsprojekt zur "Archäologie des frühen Mikrocomputers und seiner Programmiersprachen" versucht den seit den frühen 1970er-Jahren gleichermaßen kultur-, medien- und wissenschgeschichtlichen "Um/Bruch" des so genannten "Computerzeitalters" anhand materialnaher Analyse von Hardware, Software und Nuzterpraxen zu beschreiben und greift dabei auf das Instrumentarium der Medienarchäologie zurück: Das Unterlaufen bloß historisch argumentierender Chronologie, die Suche nach Diskontinuitäten und damit die Frage, inwieweit heutiges Wissen von, Denken über und Arbeiten mit dem Computer durch die damals einsetzende "Privatisierung von Computerelektronik" definiert wurde. Gerade in dieser letzten Hinsicht zeigt sich im so genannten Retrocomputing ein deutlicher "Wille zum Wissen", der die heute versteckten Komplexitäten hinterfragt, die Blackbox öffnet und mit Hilfe von Kunst, autodidaktisch erworbenen Fachwissen und Anwendung neuester Mikrocomputertechnik bei der Beherrschung ältester Mikrocomputertechnik hilft. Dass sich ein so praktiziertes Retrocomputing nicht bloß mit Hilfe von Nostalgie erklären lässt, soll im Vortrag diskutiert werden. Die Medienarchäologie scheint den vielleicht nostalgischen Anfangsgrund viel mehr einer - die Veranstaltung im Hegel-Haus legt es nahe - dreifachen Aufhebung zu unterziehen: Die Aufhebung des Retrocomputing verstanden als Bewahrungs- und Erinnerungsarbeit (Archivarbeit), als Emporheben (epistemologische Praxis) und damit auch als Suspension des nostalgischen Hobbies (Erwerb von Medienkompetenz im hochtechnischen Zeitalter).