Engagierte Games: Politische Videospiele und Game Studies in Italien

Bild von Serjoscha Wiemer

In Italien hat sich, wie beispielsweise auch die Tagung in Reggia zu "Philosophy of Computer Games" im Januar 2007 beweist, eine rege Auseinandersetzung zu Videospielen und Game Studies entwickelt.

Ein guter Anlaufpunkt in Sachen Game Studies für Italophile oder einfach für alle, die sich für die Theorien unserer Brüder und Schwestern im sonnigen Süden interessieren, ist http://www.videoludica.com. Die Seite wird von Matteo Bittanti betreut, der sich als Journalist und Herausgeber um die Kultur der Videospiele bemüht (und derzeit auch einen aktiven eigenen Blog unterhält). Dort auf Videoludica sind auch eine erstaunliche Anzahl an Publikationen, insbesondere auch zu einzelnen Spielen (ICO, DOOM, CIVILIZATION, GTA, SIMCITY, etc.), zu beziehen, die einen angesichts der geringen Anzahl vergleichbarer Veröffentlichungen im deutschsprachigen Raum leicht etwas neidisch aus der Wäsche schauen lassen. Allerdings: Wie gesagt bin ich wegen fehlender Sprachfähigkeit nicht in der Lage, diese schönen Bücher zu lesen, und kann über die Qualität nichts aussagen.

Wer schon in eines der Bücher reinschauen konnte, und diese tolle Sprache verstehen kann... Ich würde mich über einen Hinweis oder Kommentar hier im Blog sehr freuen!

Italien, oh, Italien!

Noch ein ganz anderes Projekt hat heute meine Aufmerksamkeit eingefangen: "Political Videogames against the Dictatorship of Entertainment". Das ist der Slogan von "la Molleindustria", eine Gruppe von (italienischen?!) Künstlern, Designern und kritischen Aktivisten, die Videospiele mit politischer Kritik verbinden wollen. Ihre Selbstdarstellung dazu: "Molleindustria is an italian team of artists, designers and programmers that aims at starting a serious discussion about social and political implications of videogames. This will involve media activists, net-artists, habitual players and critics and detractors of videogames. We chose to start with online gaming in order to sidestep mainstream distribution channels and to overcome our lack of means."

Die Games sind über die Homepage von Molleindustria zu erreichen. Auf der Liste der bereits entstandenen Spiele stehen "Queer Power" und "McDonald's Videogame". Letzteres ist offenbar als ein satirischer Angriff auf die Imagepolitik des internationalen FastFood-Riesen gedacht. Aktuell ist "Operation Pedopriest" erschienen, ein Spiel, dass das oft zweifelhafte Verhalten der katholischen Kirche bei pädophilen Priestern aufs Korn nimmt, inspiriert von einer BBC-Doku über "Sex Crimes and Vatikan".

Die Aktivitäten von Molleindustria lassen vermuten, dass in Sachen "political videogames" in Zukunft noch einiges zu erwarten ist, nicht nur aus Italien :-) Und der Ansatz der political games unterstreicht, dass Videospiele neben vielem anderen auch ein wunderbares (grauenhaftes?) Instrument zur Verbreitung politischer Ideologien sein können ...

Kommentare

Bild von Björn Bischof

Interview zu Molleindustria

Hi Serjoscha,

Auf Gamasutra gibt es ein Interview mit Paolo Pedercini von Molleindustria zum McDonald's Video Game:
http://www.gamasutra.com/features/20060227/dugan_01.shtml

Außerdem finde ich das Thema Serious Games gerade so spannend, dass ich selbst einen kleinen Blockeintrag geschierben habe: http://www.ag-games.de/serious-games-ein-paar-beispiele

Grüße,
Björn